Schon wieder ein neues Jahr, meine Güte, wie die Zeit vergeht, wenn man sich amüsiert.... Die letzten paar Wochen waren leider weniger durch Zeitmangel als vielmehr durch - äh - Langeweile geprägt. Und was folgt aus Langeweile: Genau, Beschäftigung mit 1.Sinn-freiem Kram, 2.zusätzlichen kostenlosen Online-Kursen ohne weiteren Bezug zum aktuellen Studium, und 3.dem eigenen Befinden. Oder dem Sinn des Lebens. Oder so. Alles natürlich keine echten Gründe, meinen Blog so zu vernachlässigen.... ;-)
Also zuerst mal die guten Nachrichten: mit edX und Coursera gibt es im Internet zwei hervorragende Anbieter von kostenlosen Kursen auf hohem Uni-Niveau, zu allen möglichen Themen - zwei Kurse habe ich schon abgeschlossen (Health in numbers: prima Biostatistik und Epidemiologie-Kurs von Harvard University; und Drugs and the Brain, von CalTech). Gibt zwar keine offiziellen Credits oder so, aber ein nettes Zertifikat. Kann man für nix gebrauchen, aber wenigstens lernt man was. :-)
Und weil das so schön war, habe ich mich gleich noch mal für vier oder fünf oder sechs andere Kurse angemeldet. Koscht ja nix.... *freu* Allerdings deutet mein übertriebenes Interesse an zusätzlichem Lernmaterial natürlich auch irgendwie an, dass mein eigentliches Studium irgendwie nicht das ist, was ich erhofft hatte; alles ok, aber das Tempo ist mäßig, und das fördert nicht gerade meine Motivation. Naja, das erste Semester habe ich ja schon erfolgreich ausgesessen, da schaffe ich den Rest auch noch... Für das nächste Semester sind immerhin nur zwei Kurse angesetzt (Health Economics und Health Policy), und ab Mitte Mai dürfen wir uns dann in ein Praktikum stürzen. Bisher lässt mein Enthusiasmus noch auf sich warten.
Womit wir auch schon beim nicht so guten Teil wären: ist alles irgendwie nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte... Also hier mal ein kleiner Exkurs in Sachen kultureller Anpassung.
Cross-cultural adaption, wie man so schön sagt, findet in der Theorie in vier Phasen statt:
1. Honeymoon-Phase.
2. Crisis
3. Recovery
4. Adjustment
Am Anfang ist alles toll, dann ist alles scheiße, dann wird es besser, und zum Schluß ist man mit der Welt und sich im Reinen. Theoretisch.
Die erste Phase hat bei mir.... ungefähr einen Tag gedauert. Bisschen kürzer als normal, aber noch im Rahmen. Zur Zeit bin ich noch in Phase zwei (gekennzeichnet durch ...."fight and flight"), die dauert angeblich bis zu sechs Monate, bis jetzt ist also alles noch ok. Allerdings befürchte ich, dass ich die letzten beiden Phasen einfach auslasse. Kurz gesagt: Schweden mag für einen Urlaub toll sein, aber zieht besser nicht her.... Die Leute hier sind reserviert bis unfreundlich, die Bürokratie gigantisch, und die Sprache lädt auch nicht gerade dazu ein, gelernt zu werden. Tja, und dann wäre da noch die Geschichte mit der Wohnungssituation...
Am letzten Januar-Wochenende bin ich tatsächlich aus meiner lauschigen kleinen Einzimmerwohnung ausgezogen und in die nicht ganz so lauschige, dafür etwas größere Wohnung eingezogen, in der bereits eine meiner Mitstudentinnen wohnt (hatte ich erwähnt, glaube ich). Der Plan war auch ein guter: besseres Wohnviertel und lustige Gesellschaft. Dachte ich. Hatte man mir versprochen. In der Praxis ist natürlich wieder mal alles ganz anders: die Wohnung ist ein schlechter Witz, gelegen zischen Autobahn, Industriehafen und Knast, seit gefühlten zwanzig Jahren weder renoviert noch geputzt, und meine Mitbewohnerin meidet Mitmenschen. Oder zumindest mich. Fazit: Anfang März ziehe ich wieder mal um. Könnte ein neues Hobby von mir werden...Aber etwas positives kann ich natürlich auch daran finden; meine neue(ste) Wohnung ist im gleichen Wohnkomplex wie meine erste Wohnung hier, nur etwas größer; und ich kann da wohnen bleiben, bis ich mit meinem Studium hier fertig bin. :-)
Und zum Schluß noch was erfreuliches: seit zwei Wochen habe ich endlich auch eine schwedische Personennummer. Hat ja auch nur drei Anläufe und fünf Monate gebraucht.
Was alles so passiert, wenn man Job, Wohnung und auch sonst alles dann mal hinter sich lässt...
Samstag, 9. Februar 2013
Montag, 10. Dezember 2012
Update: Schweden für Uneingeweihte...
Hm, der letzte Eintrag war am 01. September... Ist ja schon was her... ;-) Da wird´s ja langsam Zeit für ein kleines Update! :-)
Was also haben mich die letzten drei Monate so gelehrt? Dass die Zeit irre schnell vergeht, zum Beispiel... Ist tatsächlich schon wieder fast Weihnachten, kaum zu glauben. Das Wetter ist auf jeden Fall ziemlich weihnachtlich: Schnee, Wind und Temperaturen knapp unter Null; und in (fast) jedem Fenster ist irgendwas an weihnachtlicher Dekoration angebracht, meistens in ziemlich bunt... Ach ja, und mit vielen Lichtern. ;-) (Kleine Einschränkung: Rosengard, also das Viertel, in dem sich mein Studentenwohnheim befindet, ist eher nicht wie der Rest Schwedens.... siehe auch: Malmö Rosengard, Wikipedia....).
Ansonsten weiß ich jetzt über Schweden: dass die Hoffnung auf schnelle Bearbeitung von amtlichen Anträgen (z.B. für die hier fast lebensnotwendige Personennummer) müssig ist; dass das Klima nicht kalt genug ist, um von Kakerlaken verschont zu werden; und dass Heizungen unter Garantie am Wochenende während eines Schneesturms ausfallen... Ach ja, und dass schwedische Studenten gegen Benotung sind (das Konzept ist hier eher unbekannt...). :-)
Wobei ich beim Studium angelangt wäre: bis jetzt habe ich fünf Präsentationen (glücklicherweise alle als Gruppenarbeit) und eine Klausur überstanden, fehlen also nur noch zwei Klausuren und die Begutachtung von zwei Gruppenarbeit-Reports - und dann hätte ich das erste Semester auch schon hinter mir! Wie gesagt, time flies.... oder so. ;-) So richtig viel beschäftigt mit Studieren war ich bis jetzt aber eher nicht; mal sehen, wie die nächsten beiden Klausuren so ausfallen - wenn die sind wie der Rest bisher, kann ich wohl behaupten, dass ich dem Niveau hier durchaus gewachsen bin. Könnte allerdings weniger an meinen intellektuellen Fähigkeiten als an dem Niveau liegen; hier sind doch alle eher darauf bedacht, dass "Lernen" eine angenehme Sache ist und nicht zu sehr das seelische Wohlbefinden der Studenten beeinträchtigt. Darum vermutlich auch keine Noten.... Egal, kein Grund, sich zu beschweren! *grins* Mal sehen, was die nächsten Semester so für Überraschungen mit sich bringen: da das Curriculum für das Public Health Programm ständig überarbeitet wird (da ja Kritik und Änderungsvorschläge von allen Seiten gehört werden), sind wir irgendwie dauerhaft Versuchskaninchen für Neuerungen! Auf jeden Fall habe ich sehr coole Leute kennengelernt - und auch einige sehr merkwürdige... ;-)
Mit einer meiner coolen Mit-Studentinnen werde ich übrigens ab Januar eine WG bilden. Lustiger Zufall: in eben der Wohnung, die mir bereits im Juni zu- und kurzfristig wieder abgesagt wurde.... Wäre nicht die Bekannte meines zukünftigen Vermieters dazwischen gekommen, wären Cat und ich schon seit August Roomies. Scheint vorherbestimmt zu sein! *lol*
In diesem Sinne: God Jul, Merry Christmas, Frohe Weihnachten - und einen guten Rutsch ins neue Jahr. See you all in 2013!!! :-)
Was also haben mich die letzten drei Monate so gelehrt? Dass die Zeit irre schnell vergeht, zum Beispiel... Ist tatsächlich schon wieder fast Weihnachten, kaum zu glauben. Das Wetter ist auf jeden Fall ziemlich weihnachtlich: Schnee, Wind und Temperaturen knapp unter Null; und in (fast) jedem Fenster ist irgendwas an weihnachtlicher Dekoration angebracht, meistens in ziemlich bunt... Ach ja, und mit vielen Lichtern. ;-) (Kleine Einschränkung: Rosengard, also das Viertel, in dem sich mein Studentenwohnheim befindet, ist eher nicht wie der Rest Schwedens.... siehe auch: Malmö Rosengard, Wikipedia....).
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| Blick vom meinem Schreibtisch am 02. Dezember... |
Ansonsten weiß ich jetzt über Schweden: dass die Hoffnung auf schnelle Bearbeitung von amtlichen Anträgen (z.B. für die hier fast lebensnotwendige Personennummer) müssig ist; dass das Klima nicht kalt genug ist, um von Kakerlaken verschont zu werden; und dass Heizungen unter Garantie am Wochenende während eines Schneesturms ausfallen... Ach ja, und dass schwedische Studenten gegen Benotung sind (das Konzept ist hier eher unbekannt...). :-)
Wobei ich beim Studium angelangt wäre: bis jetzt habe ich fünf Präsentationen (glücklicherweise alle als Gruppenarbeit) und eine Klausur überstanden, fehlen also nur noch zwei Klausuren und die Begutachtung von zwei Gruppenarbeit-Reports - und dann hätte ich das erste Semester auch schon hinter mir! Wie gesagt, time flies.... oder so. ;-) So richtig viel beschäftigt mit Studieren war ich bis jetzt aber eher nicht; mal sehen, wie die nächsten beiden Klausuren so ausfallen - wenn die sind wie der Rest bisher, kann ich wohl behaupten, dass ich dem Niveau hier durchaus gewachsen bin. Könnte allerdings weniger an meinen intellektuellen Fähigkeiten als an dem Niveau liegen; hier sind doch alle eher darauf bedacht, dass "Lernen" eine angenehme Sache ist und nicht zu sehr das seelische Wohlbefinden der Studenten beeinträchtigt. Darum vermutlich auch keine Noten.... Egal, kein Grund, sich zu beschweren! *grins* Mal sehen, was die nächsten Semester so für Überraschungen mit sich bringen: da das Curriculum für das Public Health Programm ständig überarbeitet wird (da ja Kritik und Änderungsvorschläge von allen Seiten gehört werden), sind wir irgendwie dauerhaft Versuchskaninchen für Neuerungen! Auf jeden Fall habe ich sehr coole Leute kennengelernt - und auch einige sehr merkwürdige... ;-)
Mit einer meiner coolen Mit-Studentinnen werde ich übrigens ab Januar eine WG bilden. Lustiger Zufall: in eben der Wohnung, die mir bereits im Juni zu- und kurzfristig wieder abgesagt wurde.... Wäre nicht die Bekannte meines zukünftigen Vermieters dazwischen gekommen, wären Cat und ich schon seit August Roomies. Scheint vorherbestimmt zu sein! *lol*
In diesem Sinne: God Jul, Merry Christmas, Frohe Weihnachten - und einen guten Rutsch ins neue Jahr. See you all in 2013!!! :-)
| hi hi hi.... |
Samstag, 1. September 2012
...and now to something completely different...
Kaum zurück in Deutschland, schon
wieder weg aus Deutschland.... Da ist wohl irgendwie mein Blog ein
wenig auf der Strecke geblieben... Könnte natürlich auch daran
gelegen haben, dass ich leider die meiste Zeit keinen Internet-Zugang
hatte. Erstaunlich, wie sehr man sich daran gewöhnen kann, immer und
überall kostenlos (!) online zu gehen! ;-)
Nun ja, jetzt bin ich also in Schweden.
Genauer: in meinem eigenen kleinen Apartment in Malmö; 21m² mit
Balkon nur für mich alleine – Bett, Dusche, Küchenzeile, was will
man mehr. Leider hat das ganze zweieinhalb Haken; nicht nur, dass ich
relativ weit entfernt bin von der Innenstadt (in einem Stadtteil mit
höchstens mittelmäßiger Reputation, wobei das nur der halbe Haken
ist), mein Mini-Apartment gehört der Uni und ist somit 1. nicht
gerade preiswert, und 2. muss ich spätestens nächstes Jahr im Juli
wieder ausziehen, um Platz für einen neuen Erstsemester-Studenten zu
schaffen... Egal, wenigstens habe ich erst mal eine Bleibe, und es
dürfte jetzt, wo ich vor Ort bin, auch deutlich einfacher sein,
etwas Neues zu finden. So weit die Hoffnung. :-)
| Blick nach draußen von meinem Schreibtisch aus.... |
Offizieller Semesterstart ist
eigentlich erst am Montag, aber da in Schweden alles etwas anders ist
als in Deutschland, hatten wir in den letzten beiden Wochen bereits
allerhand Programmpunkte: International Arrival Day am 21.08.
(hauptsächlich organisatorischer Kram, inklusive Mietvertrag
unterschreiben und Wohnungsschlüssel in Empfang nehmen, mit
anschließendem Shuttle-Service nach Malmö), allgemeine Introduction
weeks von der Uni für alle neuen internationalen Studenten
(inklusive einer Welcome Party, die leider schon ausverkauft war, als
ich nach einer etwas anders als geplant verlaufenen Bahnfahrt endlich
in Lund angekommen bin, und allen möglichen anderen Events – von
Info-Meetings über Sightseeing bis zu Trips zu IKEA...), mehrere
Treffen mit meiner Mentoren-Gruppe (die durch soziale Events
sicher stellen sollen, dass man sich gut im fremden Land einlebt),
und nicht zu vergessen die Introduction Week des von mir
ausgewählten Studienprogrammes: Master´s Programme in Public
Health.... Da gab es dann schon mal einen Blick auf die einzelnen
Kurse und die Lehrer, viele wichtige Informationen, und
selbstverständlich auch die Gelegenheit zum gegenseitigen
Beschnuppern; und gestern Abend einen ersten Einblick ins Nachtleben
von Malmö, inklusive meiner ersten Versuche, Salsa zu tanzen. (Keine
besonders erfolgreichen, sei an dieser Stelle angemerkt – aber Spaß
hats gemacht...) Ach ja, und eine Karte für die Bibliothek konnte
ich auch schon ergattern.... ;-)
Mein Eindruck bisher: die Uni ist
top-ausgestattet, alles ist hervorragend organisiert, und aufgrund
der bunten Mischung unterschiedlichster Menschen im Kurs werden die
nächsten zwei Jahre nicht nur sehr lehrreich, sondern vermutlich
auch ziemlich interessant. Mit viel Platz für socializing....
*grins* Ach ja, und Schweden gehört natürlich zu Skandinavien, was
in einer für mich eher ungewohnten Form der Kommunikation zwischen
Lehrern und Schülern resultiert: jeder ist immer für jeden
ansprechbar, und statt wichtiger Titel wird üblicherweise nur der
Vorname benutzt. Und als Student hat man hier jede Menge Gelegenheit,
seine Meinung kund zu tun und sich zu involvieren – und man wird
sogar gehört und ernst genommen.... Wie cool ist das denn... :-)
Aufgrund der ganzen geplanten
Aktivitäten hatte ich bis jetzt leider wenig Gelegenheit, meinen
Blog zu schreiben, aber das wird hoffentlich wieder besser;
spätestens dann, wenn ich in meinem Zimmer endlich Internet habe
(bis jetzt muss ich dafür in den Aufenthaltsraum im Nebengebäude –
eigentlich nicht wirklich schlimm, aber lästig...). Kann aber noch
was dauern, musste erst ein Modem bestellen; mal sehen, ob ich auch
tatsächlich eines bekomme, obwohl ich keine schwedische
Personen-Nummer angeben konnte. Die braucht man hier für so ziemlich
alles: um ein Konto zu eröffnen, einen kostenlosen
Schwedisch-für-Immigranten-Kurs zu machen, sogar, um die Monatskarte
für den Bus registrieren zu lassen.... Seltsam.... In Deutschland
würde dieser exzessive Gebrauch der Sozialversicherungsnummer zu
einem Aufschrei der Entrüstung führen: da käme sicherlich schnell
der Verweis auf Datenschutz! Egal, andere Länder, andere Sitten; und
bald habe ich hoffentlich auch so eine Nummer, dann kann ich
offiziell ein Mitglied der schwedischen Gesellschaft werden. ;-)
Mittwoch, 1. August 2012
Zurück! .... erst mal
Da bin ich also seit zwei Wochen wieder zurück in Deutschland - und hatte doch irgendwie noch keine Gelegenheit, meinen Blog weiter zu schreiben! Tja, vorbei die Zeit, als ich immer und überall Internet zur Verfügung hatte, und das auch noch kostenlos.... ;-)
Zur Zeit bin ich leider irgendwie von der Online-Welt nahezu vollkommen abgeschnitten; und auf Dauer kann ich den Kaffee bei McDonalds nicht mehr sehen... Naja, leider ist das im Moment meine einzige Möglichkeit, überhaupt mit der Außenwelt Kontakt aufzunehmen. Und aus diesem Grund gibt es meine restlichen Kanada-Erlebnisse auch eher nicht so zeitnah. Aber ich werde mich bemühen, alles Wesentliche noch nachzureichen, sobald es geht!
Weil meine Zeit leider gleich wieder abgelaufen ist, hier nur so viel: alles gut gelaufen, Jetlag überlebt, Dauerschlaf wieder eingestellt - und, Freude über Freude - , mit den deutschen Behörden läuft es soweit auch. So mehr oder weniger, zumindest: Auto ist wieder angemeldet, beim Arbeitsamt bin ich jetzt gemeldet, und einen Kleiderschrank habe ich seit gestern auch wieder..... :-) Am 21. August geht es allerdings schon wieder los - mit der Bahn nach Lund, um mein nächstes Studium anzutreten! Ach ja, und eine Wohnung habe ich inzwischen auch, für das erste Studienjahr ziehe ich in ein Studentenwohnheim in Malmö. *freu*
Alles wird gut! :-)
Zur Zeit bin ich leider irgendwie von der Online-Welt nahezu vollkommen abgeschnitten; und auf Dauer kann ich den Kaffee bei McDonalds nicht mehr sehen... Naja, leider ist das im Moment meine einzige Möglichkeit, überhaupt mit der Außenwelt Kontakt aufzunehmen. Und aus diesem Grund gibt es meine restlichen Kanada-Erlebnisse auch eher nicht so zeitnah. Aber ich werde mich bemühen, alles Wesentliche noch nachzureichen, sobald es geht!
Weil meine Zeit leider gleich wieder abgelaufen ist, hier nur so viel: alles gut gelaufen, Jetlag überlebt, Dauerschlaf wieder eingestellt - und, Freude über Freude - , mit den deutschen Behörden läuft es soweit auch. So mehr oder weniger, zumindest: Auto ist wieder angemeldet, beim Arbeitsamt bin ich jetzt gemeldet, und einen Kleiderschrank habe ich seit gestern auch wieder..... :-) Am 21. August geht es allerdings schon wieder los - mit der Bahn nach Lund, um mein nächstes Studium anzutreten! Ach ja, und eine Wohnung habe ich inzwischen auch, für das erste Studienjahr ziehe ich in ein Studentenwohnheim in Malmö. *freu*
Alles wird gut! :-)
Donnerstag, 12. Juli 2012
gestrandet in Napanee: Rideshare für Anfänger...
Was macht man, wenn man von Ottawa nach Toronto fahren möchte, aber nicht so viel Geld für den Bus ausgeben will? Genau, man antwortet auf eine Rideshare-Annonce im Internet. Und hofft, dass man auch da ankommt, wo man hin möchte....
Klingt wie ein guter Plan, dachte ich; also habe ich per Email Kontakt aufgenommen und mich mit meiner Fahrerin darauf geeinigt, dass ich ihr 25$ für die Fahrt gebe, und sie mich dafür am Samstag Vormittag gegen elf in der Nähe meines Hostels in Downtown Ottawa einsammelt. Eine zweite Mitfahrerin war im Hostel auch schnell gefunden (und damit die Hoffnung, meinen Beitrag für das Benzin noch ein wenig reduzieren zu können), und nach einer kurzen Absprache mit meiner zeitlich befristeten englischen Reisebegleitung (der am gleichen Tag die Strecke mit dem Zug gefahren ist, was mich zu dem Kommentar veranlasste: "heute bin ich mal schneller da als du"...) standen also zwei deutsche Mädels auf dem Parkplatz vor einem Liquor-Store. Und um kurz nach elf ist dann auch tatsächlich unsere Mitfahrgelegenheit aufgetaucht.
Als sich ziemlich schnell herausstellte, dass Lara aufgrund ihrer deutschen Großeltern ein hervorragendes Deutsch spricht, war auch der Weg geebnet für eine interessante Unterhaltung (auf deutsch!), man war sich soweit sympathisch, und alles war gut. Zuerst.... Bis wir ungefähr auf der halben Strecke von der Polizei angehalten wurden, weil Lara es mit den Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht so genau nimmt!
Alles halb so schlimm, wenn wir nicht mit 153km/h unterwegs gewesen wären statt der erlaubten 100. Und weil sie nicht nur reichlich flott war, sondern auch noch eher unübliche Überholmanöver unternommen hat (rechts überholen ist also auch in Kanada nicht erlaubt...), und dabei leider an einem auf dem Seitenstreifen stehenden Polizeiwagen vorbei gefahren ist, war Schluß mit lustig: sofortiger Führerscheinentzug für sieben Tage - und das Auto wird auch für diese Zeit beschlagnahmt....! Und weil keiner von uns weiterfahren durfte, wurde fix ein Abschleppwagen gerufen, der auch nach ca. 20 Minuten schon da war. Also kam das Auto auf den LKW, und die drei Passagiere ins Polizeiauto.... Das uns dann freundlicherweise an der nächsten Autobahnraststätte mitten im Nirgendwo einfach ausgesetzt hat!
Immerhin weiß ich jetzt drei Dinge über Napanee (die nächstgelegene Stadt): abgesehen davon, dass es sehr klein ist und darum die Autovermietungen am Wochenende nicht geöffnet sind, ist das der Heimatort von Avril Lavigne. Aha. ;-)
Gut nur, dass es an der Raststätte ein Restaurant mit kostenlosem WiFi und kostenlosen Cola-Refills gab, so konnten wir wenigstens nach einer Autovermietung suchen und dabei ganz schön viel Cola trinken. Dummerweise war die einzige Agentur, die nicht nur geöffnet war, sondern auch noch ein Auto für uns hatte, in Kingston; und das ist fast 50km in die falsche Richtung... Egal, schnell gebucht, schließlich war es inzwischen nach vier, und außerdem haben die sich bereit erklärt, uns kostenlos abzuholen. Gegen fünf waren wir also wieder in Kingston (da hatten wir Stunden vorher schon unsere Mittagspause gemacht...); und nach viel Diskutieren und Telefonieren und Verhandeln konnten wir dann auch irgendwann mit einem Auto weiterfahren - das dann 300$ kosten sollte (wegen der Einweg-Miete) und das ICH mieten musste, weil ja unsere Fahrerin keinen Führerschein mehr hatte!!! Mein ursprünglicher Plan sah eigentlich nicht vor, selber mit einem Auto nach Toronto zu fahren....
Bis nach Toronto sind wir dann auch soweit problemlos gekommen; nur mit dem Auto zurückgeben gab es dann wieder Probleme... Lara hatte ihre Familie zum Flughafen bestellt, um abgeholt zu werden, weil wir dachten, dass die Leihwagen-Filiale da bis um elf geöffnet hat; leider stellte sich heraus, dass es direkt am Flughafen gar keine gibt (zumindest nicht von Discount), und die nächst-gelegene war nicht so ganz einfach zu finden. Und als wir die endlich gefunden hatten, war natürlich schon geschlossen.... (Ich hasse es, im Dunkeln ohne vernünftige Karte in einer riesigen, fremden Stadt herumzufahren - besonders mit einer Beifahrerin, der überhaupt keinen Orientierungssinn hat und mich ständig in die falsche Richtung lenkt!)
Prima Vorschlag von Lara: einfach Schlüssel in den Kasten werfen.... Super Idee! Und dann alles mit meiner deutschen Kreditkarte bezahlen, die als Sicherheit hinterlegt ist? Und was ist dann mit den ganzen zusätzlichen Auslandsgebühren???
Am Ende habe ich vorgeschlagen, dass ich das Auto über Nacht behalte und am nächsten Tag abgebe - so konnte ich wenigstens sicher sein, dass meine Kreditkarte nicht belastet wird, und im Zweifel auch noch ein Telefonat mir der Agentur in Kingston veranlassen, sollte es Probleme geben. Immerhin würden die sich mit Sicherheit an uns und unsere Abmachung erinnern (wir haben einen Preisnachlass verhandelt)... Und außerdem mussten wir nicht auch noch mitten in der Nacht mit dem ganzen Gepäck quer durch die Stadt, denn zu unseren Hostels wollte uns ihr Bruder nicht fahren. Sehr freundlich. Glücklicherweise hatte ich zwischendurch mit meinem Hostel telefoniert, und obwohl die Rezeption eigentlich nach Mitternacht nicht mehr besetzt ist, hat freundlicherweise jemand im Hostel auf mich gewartet - bis fast halb eins.... Und mit dem anderen Hostel, in dem Simone, der zweite Fahrgast, unterkommen sollte, hat er auch noch telefoniert, damit auch jemand auf sie wartet. Also habe ich nur schnell eingecheckt, mein Gepäck ins Zimmer gebracht und dann Simone zu ihrem Hostel gefahren; und danach einen Parkplatz gesucht! Und nach einer schnellen Pizza in einem Imbiss war ich dann schlussendlich gegen halb zwei endlich angekommen... Und natürlich gab es einen Spruch am nächsten Tag bezüglich meiner Ankündigung, deutlich früher in Toronto anzukommen als der Zug.... ;-)
Wenigstens hatten wir so die Gelegenheit, am Sonntag einen kleinen Ausflug zu machen - mit dem Auto! Wenn man schon mal eins hat. *grins* Und erfreulicherweise war das Zurück-Geben kein Problem; nur draufgezahlt haben wir natürlich wieder: 311,46$ statt der vereinbarten 300$... Naja, unterm Strich hat uns die Fahrt so nur etwas mehr als 20$ pro Person gekostet: 15$ für Sprit (für den Leihwagen), die 12$ für das Auto, und ca. 10$, die Lara mit Simones Handy vertelefoniert hat - wäre ja auch zu einfach gewesen, wenn Lara ein funktionierendes Telefon dabei gehabt hätte.... Wenigstens war es nicht langweilig!!!!
Klingt wie ein guter Plan, dachte ich; also habe ich per Email Kontakt aufgenommen und mich mit meiner Fahrerin darauf geeinigt, dass ich ihr 25$ für die Fahrt gebe, und sie mich dafür am Samstag Vormittag gegen elf in der Nähe meines Hostels in Downtown Ottawa einsammelt. Eine zweite Mitfahrerin war im Hostel auch schnell gefunden (und damit die Hoffnung, meinen Beitrag für das Benzin noch ein wenig reduzieren zu können), und nach einer kurzen Absprache mit meiner zeitlich befristeten englischen Reisebegleitung (der am gleichen Tag die Strecke mit dem Zug gefahren ist, was mich zu dem Kommentar veranlasste: "heute bin ich mal schneller da als du"...) standen also zwei deutsche Mädels auf dem Parkplatz vor einem Liquor-Store. Und um kurz nach elf ist dann auch tatsächlich unsere Mitfahrgelegenheit aufgetaucht.
Als sich ziemlich schnell herausstellte, dass Lara aufgrund ihrer deutschen Großeltern ein hervorragendes Deutsch spricht, war auch der Weg geebnet für eine interessante Unterhaltung (auf deutsch!), man war sich soweit sympathisch, und alles war gut. Zuerst.... Bis wir ungefähr auf der halben Strecke von der Polizei angehalten wurden, weil Lara es mit den Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht so genau nimmt!
Alles halb so schlimm, wenn wir nicht mit 153km/h unterwegs gewesen wären statt der erlaubten 100. Und weil sie nicht nur reichlich flott war, sondern auch noch eher unübliche Überholmanöver unternommen hat (rechts überholen ist also auch in Kanada nicht erlaubt...), und dabei leider an einem auf dem Seitenstreifen stehenden Polizeiwagen vorbei gefahren ist, war Schluß mit lustig: sofortiger Führerscheinentzug für sieben Tage - und das Auto wird auch für diese Zeit beschlagnahmt....! Und weil keiner von uns weiterfahren durfte, wurde fix ein Abschleppwagen gerufen, der auch nach ca. 20 Minuten schon da war. Also kam das Auto auf den LKW, und die drei Passagiere ins Polizeiauto.... Das uns dann freundlicherweise an der nächsten Autobahnraststätte mitten im Nirgendwo einfach ausgesetzt hat!
| wir und unser Gepäck an der Raststätte... |
Gut nur, dass es an der Raststätte ein Restaurant mit kostenlosem WiFi und kostenlosen Cola-Refills gab, so konnten wir wenigstens nach einer Autovermietung suchen und dabei ganz schön viel Cola trinken. Dummerweise war die einzige Agentur, die nicht nur geöffnet war, sondern auch noch ein Auto für uns hatte, in Kingston; und das ist fast 50km in die falsche Richtung... Egal, schnell gebucht, schließlich war es inzwischen nach vier, und außerdem haben die sich bereit erklärt, uns kostenlos abzuholen. Gegen fünf waren wir also wieder in Kingston (da hatten wir Stunden vorher schon unsere Mittagspause gemacht...); und nach viel Diskutieren und Telefonieren und Verhandeln konnten wir dann auch irgendwann mit einem Auto weiterfahren - das dann 300$ kosten sollte (wegen der Einweg-Miete) und das ICH mieten musste, weil ja unsere Fahrerin keinen Führerschein mehr hatte!!! Mein ursprünglicher Plan sah eigentlich nicht vor, selber mit einem Auto nach Toronto zu fahren....
Bis nach Toronto sind wir dann auch soweit problemlos gekommen; nur mit dem Auto zurückgeben gab es dann wieder Probleme... Lara hatte ihre Familie zum Flughafen bestellt, um abgeholt zu werden, weil wir dachten, dass die Leihwagen-Filiale da bis um elf geöffnet hat; leider stellte sich heraus, dass es direkt am Flughafen gar keine gibt (zumindest nicht von Discount), und die nächst-gelegene war nicht so ganz einfach zu finden. Und als wir die endlich gefunden hatten, war natürlich schon geschlossen.... (Ich hasse es, im Dunkeln ohne vernünftige Karte in einer riesigen, fremden Stadt herumzufahren - besonders mit einer Beifahrerin, der überhaupt keinen Orientierungssinn hat und mich ständig in die falsche Richtung lenkt!)
Prima Vorschlag von Lara: einfach Schlüssel in den Kasten werfen.... Super Idee! Und dann alles mit meiner deutschen Kreditkarte bezahlen, die als Sicherheit hinterlegt ist? Und was ist dann mit den ganzen zusätzlichen Auslandsgebühren???
Am Ende habe ich vorgeschlagen, dass ich das Auto über Nacht behalte und am nächsten Tag abgebe - so konnte ich wenigstens sicher sein, dass meine Kreditkarte nicht belastet wird, und im Zweifel auch noch ein Telefonat mir der Agentur in Kingston veranlassen, sollte es Probleme geben. Immerhin würden die sich mit Sicherheit an uns und unsere Abmachung erinnern (wir haben einen Preisnachlass verhandelt)... Und außerdem mussten wir nicht auch noch mitten in der Nacht mit dem ganzen Gepäck quer durch die Stadt, denn zu unseren Hostels wollte uns ihr Bruder nicht fahren. Sehr freundlich. Glücklicherweise hatte ich zwischendurch mit meinem Hostel telefoniert, und obwohl die Rezeption eigentlich nach Mitternacht nicht mehr besetzt ist, hat freundlicherweise jemand im Hostel auf mich gewartet - bis fast halb eins.... Und mit dem anderen Hostel, in dem Simone, der zweite Fahrgast, unterkommen sollte, hat er auch noch telefoniert, damit auch jemand auf sie wartet. Also habe ich nur schnell eingecheckt, mein Gepäck ins Zimmer gebracht und dann Simone zu ihrem Hostel gefahren; und danach einen Parkplatz gesucht! Und nach einer schnellen Pizza in einem Imbiss war ich dann schlussendlich gegen halb zwei endlich angekommen... Und natürlich gab es einen Spruch am nächsten Tag bezüglich meiner Ankündigung, deutlich früher in Toronto anzukommen als der Zug.... ;-)
Wenigstens hatten wir so die Gelegenheit, am Sonntag einen kleinen Ausflug zu machen - mit dem Auto! Wenn man schon mal eins hat. *grins* Und erfreulicherweise war das Zurück-Geben kein Problem; nur draufgezahlt haben wir natürlich wieder: 311,46$ statt der vereinbarten 300$... Naja, unterm Strich hat uns die Fahrt so nur etwas mehr als 20$ pro Person gekostet: 15$ für Sprit (für den Leihwagen), die 12$ für das Auto, und ca. 10$, die Lara mit Simones Handy vertelefoniert hat - wäre ja auch zu einfach gewesen, wenn Lara ein funktionierendes Telefon dabei gehabt hätte.... Wenigstens war es nicht langweilig!!!!
Freitag, 29. Juni 2012
Einmal Vancouver – Okanagan Valley und zurück...
Sechs Tage habe ich mir Zeit gegeben,
um von Vancouver bis ins Okanagan Valley und wieder zurück zu fahren
– eine Strecke von etwas über tausend Kilometern, auf wenig
befahrenen, aber dafür landschaftlich umso schöneren Highways –
durch bekannte und weniger bekannte Städte, über Berge und Flüsse,
und natürlich quer durch den sogenannten „Obstkorb“ Kanadas!
(Also die Gegend, wo sie hier den meisten Wein anbauen. *grins*) Da
dummerweise der Anfang meiner Reise etwas holprig war (siehe früherer
Beitrag...), wurde dies die Woche der Improvisation; nicht, dass sich
nicht auch vorher schon das ein oder andere Mal Pläne irgendwie auf
dem Weg in Luft aufgelöst hätten.... ;-)
Nach erfolgreich überstandener Nacht
auf dem Wal-Mart Parkplatz in Squamish (zu der Stadt kann ich leider
nichts sagen, da ich im Dunkeln angekommen bin und nach den
Erfahrungen der Nacht am Morgen eigentlich nur noch weiter wollte...)
war am Sonntag gegen Mittag Whistler mein erster Stop: die einzige
international bekannte Stadt auf meiner Tour, und auch die bisher
einzige Stadt in Kanada, die eine echte Fußgängerzone hat! Naja,
genau genommen besteht die ganze Stadt nur aus Fußgängerzone, wenn
man mal von den ganzen mit Hotels zugepflasterten Gebieten rings um
das Zentrum herum absieht... Ansonsten hat natürlich die
Winter-Olympiade hier statt gefunden, mit dem Resultat, dass die
Stadt nicht nur sehr sauber, sondern irgendwie auch sehr neu
aussieht! Scheint doch ziemlich viel hier extra für das große Event
angelegt worden zu sein – und was die Vorbilder für diese
Retorten-Stadt waren: schwer zu erraten.... *zwinker* Aber nicht
falsch verstehen: Whistler hat mir trotzdem gut gefallen, auch wenn
man eher das Gefühl hat, in einer Art Disney-Land für Erwachsene
gelandet zu sein! Komplett mit Snowboard- und
Downhill-Radfahr-Statisten, um den Eindruck realer zu gestalten,
hihihi....
| das Wetter war optimierbar! |
Nach einer Stunde bin ich dann aber
schon weiter, weil ich nicht länger für das Parkhaus mitten in der
Stadt zahlen wollte (es gibt auch kostenfreie Parkplätze, die habe
ich aber erst bei meinem zweiten Besuch entdeckt – das kommt aber
erst später, viel später), und habe mit meinem Subway-Sandwich die
nächste Picknick-Gelegenheit am Highway zum Mittagessen genutzt;
erfreulicherweise war das nicht einfach nur ein Parkplatz mit
Picknick-Tischen, sondern gleichzeitig auch ein kleiner Naturpark,
inklusive kurzem Hiking-Trail und nettem Ausblick auf einen
Wasserfall! Hätte ich da nicht noch die ganze Zeit gedacht, dass
mein Kofferraum nicht abgeschlossen ist, wäre das ein echt prima Tag
geworden...
Auch wenn nur das Stück von Vancouver
bis nach Whistler als „Sea-to-Sky-Highway“ bekannt ist, lohnt es
sich definitiv, dem Highway 99 North weiter zu folgen – wenig
befahren und mit einem weitestgehend bemerkenswerten Panorama! Die
meisten Orte, durch die man durch fährt, kennt kein Mensch; meistens
auch zu Recht, möchte ich an dieser Stelle mal kurz einfügen. Aber
immerhin weiß ich jetzt, dass irgendwo auf dem Stück zwischen
Vancouver und Kamloops (habe doch tatsächlich vergessen, in welchem
dieser Mini-Städtchen) jedes Jahr eines der ältesten und größten
Rodeos in ganz Kanada stattfindet... ;-)
Die nächste Übernachtungs-Station auf
meiner Rundreise war dann erst Kamloops, auch wenn mein
ursprünglicher Plan eigentlich vorsah, in Pemberton anzuhalten (aber
das war mir dann zu langweilig); dieses Mal übrigens auf einem
McDonalds-Parkplatz. Sehr praktisch für Abendessen und Frühstück!
*grins* Und da ich erst relativ spät angekommen bin, hat mich
Kamloops gleich mal mit einem unglaublichen Sonnenuntergang begrüßt.
Sehr großartig!
Mit ungewaschenen Haaren und dem
Gefühl, nicht mehr so ganz blumig frisch zu riechen, bin ich dann am
nächsten Morgen erst mal ins Visitor-Information-Center: gibt es
tatächlich Sehenswürdigkeiten hier? Und wo ist, möglichst zentral,
ein kostenloser Parkplatz....? Einen perfekten, weil kostenlosen
Parkplatz gibt es tatsächlich, wenn auch so gut versteckt (und nicht
ausgeschildert), dass man den nicht durch Zufall finden kann (Die
anderen Touristen haben alle fürs Auto abstellen bezahlt; tja,
gewusst, wie...); ja, und was das mit den touristischen Highlights
angeht – eher nicht. Bis auf die motivierenden Fußgänger-Treppe
vielleicht, mit deren Hilfe man erfreulicherweise die ewig dauernde
Warterei verhindern kann, wenn ein Güterzug durchfährt...
Nachdem Kamloops dann nach ca. drei
Stunden soweit abgehakt war, hieß es, das nächste Übernachtungsziel
anzusteuern: und da sich in der Zwischenzeit das Kofferraum-Problem
erledigt hatte (DANKE!!! an dieser Stelle dem kompetenten Mitarbeiter
bei Ford in Kamloops), und ich zudem bei einer bekannten Burgerkette
den kostenlosen Internet-Zugang genutzt habe, um mir für die Nacht
ein Bett zu organisieren, bin ich relativ zügig bis nach Kelowna
durchgefahren (was habe ich mich auf eine Dusche gefreut...!). Mein
einziger Stop auf dem Weg war dann konsequenterweise ein
WC-und-Kaffee-Stop, auch wenn ich den gut nutzen konnte, um mir
Vernon anzusehen – kennt kein Mensch, ist aber angeblich berühmt
für die vielen Wandmalereien. Ach ja, und sie haben nicht nur viele
bunte Wände, sondern auch massenhaft Tattoo-Studios! (Und eine
„Altstadt“.) Sehr merkwürdig.
Kelowna dagegen ist doch eher bekannt
in Kanada, hauptsächlich für den Strand und dafür, dass es
momentan eine der am schnellsten wachsenden Städte des Landes ist.
Tja, Kelowna in einem Satz? Beachtown im Aufschwung mit Kunst im Park
und einem abgebrannten Naturpark... Aber ganz schön fand ichs schon,
und auch wenn mein Hostel eher eines der schrägen Sorte war (sehr –
alternativ....), habe ich dann am nächsten Morgen erst mal meinen
Aufenthalt um eine Nacht verlängert. Immerhin wollte ich mir
wenigstens etwas von der Umgebung ansehen: See, Wälder, alles sehr
idyllisch. Es sei denn natürlich, man beschließt, ausgerechnet den
Park zum Wandern zu benutzen, der vor ein paar Jahren abgebrannt ist.
;-) Hätte mir ja auch mal jemand vorher sagen können! Wofür war
ich schließich im Touristen-Info-Center???
| Kelowna: Kultur... |
| .... und Kunst.... |
| .... und: wer hat denn diesen Radweg gebaut??? |
Der Weg von Kelowna nach Penticton am
nächsten Tag führte dann durch Orte mit lustigen Namen wie
Peachland und Summerland; in Peachland (sehr idyllisch, übrigens)
gibt es nicht nur ein deutsches Gasthaus, sondern auch das vermutlich
kleinste Sears-Kaufhaus, das in ganz Kanada existiert, während
Summerland insgesamt eher das größte Nichts war. (Wird als
Touristenort empfohlen, stimmt aber nicht – anhalten lohnt nicht.)
In Penticton hatte ich dann gleich zwei Nächte gebucht, weil zum
einen die Stadt großartigen gelegen ist – zwischen zwei Seen,
mitten im Weinanbaugebiet – , und zudem das Hostel im Prospekt
einen sehr guten Eindruck machte. Hat sich dann soweit auch als gute
Idee herausgestellt; die Stadt beeindruckt mit einem großartigen
Panorama (Seen!Berge!), und mein Ausflug auf einem der sehr
gepflegten Hiking-Pfade wurde mit einem sehr guten Mittagessen auf
einem Weingut gekrönt... :-)
| such das Kaufhaus! |
Nach zwei Nächten in der
Jugendherberge im Herzen des Okanagan Valleys war dann auch schon
wieder Samstag, und somit der Tag gekommen, an dem ich meinen
Leihwagen wieder zurück bringen musste zum Flughafen in Vancouver;
und wo ich schon mal da war, konnte ich bei der Gelegenheit auch
gleich mal meinen Besuch für die nächsten zwei Wochen einsammeln!
Freitag, 22. Juni 2012
The Maritimes – die unterschätzten Atlantikprovinzen Kanadas!
Es ist gerade mal eine Woche her, seit
ich Vancouver verlassen habe, und doch fühlt sich das alles schon
ganz weit weg an – kaum zu glauben, aber die Atlantikprovinzen (New
Brunswick, Nova Scotia, Prince Edward Island) sind nicht nur verdammt
weit weg von British Columbia (mehrere tausend Kilometer, oder auch
ein fast-sechs-Stunden-Flug!), sondern auch unglaublich anders...!
Der Westen ist gedanklich bei mir schon
so weit weg, dass ich mich kaum in der Lage fühle, meine noch
ausstehenden Blog-Einträge fertig zu stellen. Immerhin bin ich schon
angefangen.... aber auch auf die Gefahr hin, dass meine Beiträge
zunehmend unchronologisch werden (es sei mir verziehen....), habe ich
mich jetzt doch dazu entschlossen, erst mal meine aktuelleren
Erfahrungen im Wort festzuhalten, hinterher vergesse ich sonst noch
irgendwas (wichtiges oder nicht ganz so wichtiges *grins*)!
Letzten Mittwoch bin ich also in
Halifax gelandet, nach einem Nachtflug von Vancouver über Montreal –
und leider musste ich nicht nur umsteigen und dafür drei Stunden in
Montreal am Flughafen Zeit totschlagen, sondern mir wurden auf dem
Weg auch noch vier Stunden (!!!) geklaut, so dass ich gegen Mittag
Ortszeit ohne zwischendurch auch nur eine Minute geschlafen zu haben
bei strahlendem Sonnenschein und gefühlten 30° Celsius wieder mal
auf einen Bus gewartet habe. Der hat mich dann in die unverhältnismäßig
weit von dem doch sehr übersichtlichen Flughafen entfernte Hauptstadt von Nova Scotia gebracht: eine relativ kleine Stadt in einer für kanadische Verhältnisse
winzigen Provinz. Immerhin war das Wetter besser als in während meiner gesamten Zeit in British
Columbia.... ;-)
Der Weg von der Bushaltestelle zum
Hostel sollte sich dann als quasi wegweisend für meinen gesamten
Aufenthalt in Halifax herausstellen, hatte ich doch da bereits einen
„Leidensgenossen“ gefunden, der die gleiche Herberge ansteuerte.
Beim Einchecken wurde dem namenlosen Engländer dann gleich
unterstellt, meine bessere Hälfte zu sein (oder wie auch immer); und
als wir uns dann eine Stunde später auch noch im Supermarkt wieder
über den Weg gelaufen und zusammen zurück zum Hostel marschiert
sind, war schon so gut wie beschlossene Sache, dass die Pub Tour
(am Abend organisiert von unserer freundlichen Jugendherberge) eine gute
Gelegenheit wäre, auch noch zusammen ein Bier zu trinken.
Erfreulicherweise konnten wir noch eine andere Engländerin
überreden, mit uns zu kommen; aber leider war für uns alle drei
schon nach einem Bier Feierabend – ohne die Nacht vorher geschlafen
zu haben ist mit feiern leider nix mehr in fortgeschrittenem
Alter.... ;-)
Nachdem ich dann am Donnerstag erst
wach geworden bin, als das Housekeeping an die Tür geklopft hat (da
war es schon halb zwölf – auch wenn es sich für mich eher nach
halb acht angefühlt hat, mein Körper war noch auf Pazifik-Zeit),
hat der Tag irgendwie nur dazu gereicht, sich mal kurz in der Stadt
umzusehen, einen Kaffee zu trinken und den fast schon vergessenen
Sonnenbrand aufzufrischen. Immerhin waren wir ja so gegen sechs
wieder im Hostel verabredet, um – genau, Bier zu trinken.... ;-)
Wenigstens konnte ich schon feststellen, dass die Stadt eigentlich
ganz interessant ist und eine schöne Hafenpromenade und einen
(kostenlosen!) viktorianischen Garten hat, und außerdem war mein
Mittagessen viel billiger als in Vancouver! Freitag war dann ein
Gewaltmarsch angesagt, um nicht nur die wichtigsten
Sehenswürdigkeiten der Stadt im Bild festhalten zu können, sondern
außerdem noch eine kleine Runde durch den Pleasant Point Park zu
machen: keine Stadt in Kanada ohne ihren eigenen Naturpark innerhalb
der Stadtgrenzen.... *grins* Da wir aber irgendwie alle nach stundenlangem Rumgerenne eher zu platt für
irgendwelche „socializing activities“ waren, gab es abends dann nicht mal mehr ein Bier.... :-(
Naja, da ich den Gedanken, für
zwei oder drei Tage nach Charlottetown auf Prince Edward Island zu
fahren, aus Zeitgründen gestrichen habe, habe ich statt dessen in
Halifax eine Nacht verlängert – hauptsächlich, um wenigstens noch
einen Ausflug in die Umgebung machen zu können, aber auch, weil ich
noch nicht so recht wusste, wohin als nächstes... Puh, Pläne machen
kann ja so anstrengend sein. Also bin ich am Samstag noch nicht, wie
ursprünglich geplant, abgereist, sondern habe am Vormittag erst noch
die Zitadelle besichtigt (und eine sehr interessante und vor allem
sehr lustige, kostenlose Führung mitgemacht), um danach einen
handelsüblichen Touristenbus zu besteigen und mich nach Peggy´s
Cove fahren zu lassen. Ist ja vermutlich nicht umsonst der am
meisten photographierte Punkt im Osten Kanadas, dachte ich. Stimmt,
ist wirklich sehr nett da, aber leider ist das Örtchen nicht nur
eher winzig, sondern auch noch voller anderer Touristen, die wohl das
selbe gedacht haben wie ich.... Egal, Photos machen, kurz umsehen,
Crepes essen, und nach einer Stunde Aufenthalt ging es eh wieder
zurück....
| die berühmte Uhr... |
| ....Mittagskanone.... |
| ....alles ganz schön schottisch hier! |
| und der berühmteste Leuchtturm Kanadas in Peggy´s Cove |
Am Sonntag bin ich dann abgereist: mein
kurzfristig erstandenes Busticket sollte mich auf dem Weg nach Quebec
City erst für zwei Tage nach Fredericton, der Hauptstadt von New
Brunswick, bringen, und danach weiter nach Riviere de Loup (schon in
Quebec). Erfreulicherweise kann man die Fahrt im Bus mit den in den
Maritimes und Quebec ansässigen Gesellschaften (im Gegensatz zu
Greyhound) nämlich zwischendurch unterbrechen! Macht die
Entscheidung, ob man auf dem Weg irgendwo mal anhält und sich für
einen Tag die Gegend ansieht, deutlich einfacher... :-)
New Brunswick wird hier wohl auch ganz
gerne mal die „drive-through-province“ genannt, weil keiner
anhält, sondern von Quebec kommend gleich weiter fährt nach Prince
Edward Island; so schlimm ist es hier aber gar nicht – sieht eher
verdächtig nach zu Hause aus: Mischwald, Wiesen, Kühe. Und dann
gibt es noch lustige Dinge wie z.B. die selbst ernannte
Blaubeer-Hauptstadt Kanadas mit einer riesigen, grinsenden Blaubeere
als Maskottchen (Oxford), oder Blumenläden, die nebenbei auch Eis
verkaufen (in Florenceville). Allerdings muss ich auch zugeben, dass
echte Attraktionen irgendwie fehlen; immerhin ist Fredericton eine
positive Überraschung: schöne Häuser, eine gut erhaltene
historische Altstadt, viele Bäume und Parks, und mittendrin ein
malerischer Fluss – was will man mehr. Aber macht nicht den Fehler,
Sonntags abends anzureisen (so wie ich), da fährt nämlich leider
kein Bus vom Busdepot in die Stadt (und das ist arschweit!), und in
der Stadt hat auch so gut wie nichts auf. Egal, nach dem Taxi, das
ich mir ja leider leisten musste, war eh kein Budget mehr da für
Essen und Bier in einem Pub....
| Saint John River, mit Blick auf Downtown Fredericton |
| Historisches Viertel, hübsch eingezäunt |
| seit wann verkauft IKEA komplette Häuser? |
Nach zwei Nächten in einer seltsam
leblosen und leicht muffigen Herberge (wofür „Heritage House“
nicht alles als Ausrede herhalten muss!), in der ich alleine in einem
Vier-Bett-Zimmer war (es verlaufen sich wohl im Allgemeinen nicht so
viele Touristen nach Fredericton), hat es mich dann wieder zum
Busdepot verschlagen, um meinen Weg nach Westen fortzusetzen – auf
nach Quebec, französisch-Kanada!!!
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