Donnerstag, 31. Mai 2012

… and the temperatures are on the fresh side! – Alaska, Part 2


Tag Fünf fing dann mit einem interessanten Blick vom Schiff aus an: da wo abends noch Wasser gewesen ist, erhob sich plötzlich eine massive Felswand. Fühlt sich schon irgendwie merkwürdig an, wenn plötzlich auf beiden Seiten des Schiffes Berge aufragen! Zudem zeigte sich das Wetter von seiner schlechtesten, allerdings auch Alaska-typischten Seite: es war reichlich bedeckt und immer mal wieder am Regnen. Ach ja, und ziemlich frisch war es auch – aber inzwischen waren wir ja auch schon ziemlich weit nördlich, hatten wir es doch über Nacht bis nach Juneau geschafft.

Juneau mit Berg, vom Schiff aus gesehen

Juneau ist nicht nur eine relativ kleine Stadt mit überwiegend schlechtem Wetter, sondern auch die einzige Hauptstadt einer amerikanischen Provinz, die sich nicht auf dem Landweg erreichen lässt; zwar gibt es ein paar Straßen, die sogar aus der Stadt herausführen, aber die hören dann alle irgendwo mitten im Nirgendwo einfach auf... Statt dessen muss man mit einem Schiff oder dem Flugzeug anreisen, was vermutlich dazu führt, dass Juneau nicht gerade zu den Top-Zielen des internationalen Tourismus zählt. Könnte allerdings auch daran liegen, dass die Stadt selber ziemlich langweilig ist: die obligatorischen bunten Holzhäuschen vor grandioser Kulisse, zwei Straßen mit Geschäften und Kneipen, und eine Gondel zur nächstgelegenen Bergspitze – da haben wir einfach die berühmteste Kneipe der Stadt getestet... irgendwie musste man ja den Regen aussitzen.... ;-)

 - ohne Worte - 

Downtown Juneau

Wild-West-Bar mitten in Anchorage

Glücklicherweise konnten wir uns dann lange genug mit dem heimischen Bier beschäftigen, dass das Wetter Zeit hatte, besser zu werden – prima, da lohnte es sich doch dann glatt, eine der angebotenen Bustouren zu buchen und sich zum nächsten Gletscher fahren zu lassen, der praktischerweise nur einige Kilometer außerhalb der Stadt liegt. So ein Gletscher aus der Nähe ist schon extrem beeindruckend; und um das Ganze dann perfekt zu machen, hat der Kulissenschieber wieder mal Überstunden gemacht und uns ganz viele total tolle Wolkenformationen organisiert! :-) (Die Farben in den Photos sind übrigens echt und nicht nachbearbeitet!!!)

Mendenhall-Glacier

....und gutes Wetter gab es dann auch noch!

Nach einem kleinen Spaziergang durch den Wald und einer ersten Begegnung mit Stachelschweinen in ihrer natürlichen Umgebung ging es dann schon wieder zurück aufs Schiff; der nächste Stop am Tag darauf war dann Skagway, eine weitere Ansammlung kleiner bunter Holzhäuschen am Berg. Der Ort hat zwar nur wenige Tausend Einwohner (im Winter sogar nur wenige hundert), aber dafür eine Disneyworld-ähnliche Wildwest-Aufmachung und einen internationalen Flughafen (man kann von da aus nach Whitehorse fliegen – das ist zwar nicht weit, liegt aber in Kanada). Und außerdem kann man Ausflüge in die Umgebung buchen, für die man auch einen Reisepass dabei haben muss... So was haben wir dann sogar gemacht und sind mit einem kleinen Bus und einer doch recht eigenwilligen Mischung Menschen ungefähr zwanzig Kilometer den Berg raufgefahren: über den White Pass zurück nach Kanada. Da gab es dann viel Schnee, wenig Sicht und praktisch keine Bäume mehr, aber auf dem Rückweg ein „Willkommen in Alaska“-Schild und eine unglaublich schnelle Wieder-Einreise in die USA. *grins*

huch, verlaufen - ich bin im Auenland gelandet... ;-)

gestatten: Porcupine!

Beenden mussten wir den Tag natürlich im örtlichen Brauhaus, um gleich noch mal die dort gebrauten Spezialitäten zu testen. Soll ja keiner sagen können, wir hätten uns nicht um die lokale Wirtschaft gekümmert. ;-)

Abfahrt war dann relativ früh, damit wir auf dem langen Weg zum Ziel der Reise noch Zeit hatten, einen Abstecher zum Hubbard Glacier zu machen, der mehr oder weniger auf dem Weg liegt; und für den Anblick dieses Gletschers, an den wir mit dem Schiff unglaublich dicht heran fahren konnten, hat sich auf jeden Fall das Frühstück-auf-später-Verschieben gelohnt! (Wann kann man schließlich schon mal die Geburt von Eisbergen beobachten???) Leider war der Rest des Tages dann wieder mal stärkerer Seegang angesagt, da wir zurück aufs offene Meer raus sind um Kurs zu nehmen auf Seward – uninterssant wie noch was, aber nun mal Endpunkt der Kreuzfahrt. Wenigstens mussten wir nur acht Stunden Zeit totschlagen, bis endlich der Zug Richtung Anchorage abfuhr... Gut nur, dass es zum einen ein nettes Cafe mit kostenlosem WiFi und zum anderen einen Supermarkt mit angeschlossenem Liquor Store gab, da verging die Zeit fast wie im Fluge. ;-)
Die anschließenden vier Stunden Zugfahrt hätten dann von mir aus auch noch länger dauern können, bei der Kulisse, die sich uns bot; Berge, Flüsse, Seen, Wälder, Schnee, Bären, Elche, Adler, und natürlich ein nicht-enden-wollender, oberkitschiger Sonnenuntergang – eben so, wie man sich Alaska vorstellt! Aber da selbstverständlich die großartigsten Augenblicke nur für einen selbst sind, habe ich weder den Schwarzbären noch den Bald Eagle brauchbar im Bild festhalten können. Da müsst ihr mir schon glauben, dass ich die gesehen habe.... :-)

Hubbard-Glacier

so werden Eisberge gemacht!

großes Schiff vor noch größerem Eisklotz....

Noch einige abschließende Worte zu Anchorage: wieder mal eine großartige Kulisse, aber die Stadt selber ist deswegen noch nicht zwangsläufig auch eine Reise wert. Nett angelegte Parks und Trails, ein paar nette Häuser, und ein fast zwei Stunden dauernder Sonnenuntergang können leider die übrigen Details einer grauen, amerikanischen Stadt mittlerer Größe und vor allem das fürchterliche Wetter nicht wettmachen... Aber die vier Jahreszeiten in Alaska sind ja auch nicht ohne Grund almost winter, winter, still winter and road constuction!

Mostly cloudy with chances of liquid sunshine... – Alaska, Part 1


Plötzlich war er da, der 11.Mai – und damit der Tag gekommen, an dem zwei Backpacker ein Kreuzfahrtschiff gen Alaska besteigen würden. Fragen über Fragen türmen sich auf: wo muss ich hin? Was machen wir mit unserem Gepäck? Wollen alle diese Menschen etwa mit auf das selbe Schiff?? Und: fallen wir irgendwie auf zwischen den ganzen anderen Passagieren???

Zuerst mal: ja, irgendwie sind wir schon aufgefallen – zum einen führten unsere Rucksäcke zu dem einen oder anderen Kommentar der um uns herum Stehenden, und zum anderen war mein neu erworbener Hut (einmal Kopfhaut verbrennen pro Reise reicht!) wohl eher nicht zu übersehen - zumindest wurde uns, einmal an Bord, von bereits im Hostel kennen gelernten Mitreisenden freudig erzählt, dass wir in der langen Schlange vor der Passkontrolle gut zu sehen gewesen seien... ;-) 



Schlange gestanden haben wir eine gefühlte Ewigkeit, denn nachdem wir endlich die Gepäck-Abgabe-Stelle entdeckt hatten (nach nur dreimaligem Fragen – oder waren es vier Mal? Sagen wir mal vorsichtig, die Beschilderung am Kreuzfahrtterminal in Vancouver ist optimierbar...) und unser Gepäck mehr oder weniger behutsam von uns genommen wurde, durften wir uns – zwecks Passkontrolle – in die Schlagen der Nicht-Nordamerikaner (in diesem Falle also Asiaten, Südamerikaner – und wir) einreihen, um nach diversen Schikanen endlich auch offiziell in die USA einreisen zu dürfen. Wenigstens stellte sich relativ schnell heraus, dass gleichzeitig drei (!!!) große Kreuzfahrtschiffe mit Menschen beladen wurden, so dass glücklicherweise nicht alle diese Leute mit auf unserem Schiff sein würden. Sehr gut, ich war ja anfangs beim Anblick dieser Menschenmassen schon ein wenig schockiert.... Jetzt musste ich mir also nur noch Sorgen um unser etwas unsanft behandeltes Gepäck machen und ansonsten den Dingen ihren Lauf lassen.

Aber auch diese Sorgen haben sich als unbegründet herausgestellt: nach einer ersten Inspektion des Schiffes (ui, das ist ja ein richtiges, echtes, luxuriöses Kreuzfahrtschiff!!!) und unserer Kabine (wie schön, ein eigenes Badezimmer! Aber ein wenig dunkel, so ohne Fenster....) standen dann irgendwann später am Nachmittag die Rucksäcke vor unserer Kabinentür, und das bereitliegende Programmheftchen (oder auch „Radiance of the Seas – Compass“ genannt) hat uns mit Infos über die Nahrungsaufnahme-Möglichkeiten und den Ablauf des restlichen Tages aufgeklärt. Neben Duschen, Essen und einem kleinen Pläuschchen mit dem Kabinen-Steward unseres Vertrauens blieb erfreulicherweise ausreichend Zeit für das obligatorische Photo-Shooting beim Ablegen und einen Starter-Sekt an der Poolbar... :-)



Am zweiten Tag waren wir nur auf See und hatten dementsprechend viel Zeit zum Essen (ständig gab es irgendeine Mahlzeit in Buffet-Form, wie anstrengend), Lesen (an Deck, in der Sonne liegend!), Schlecht fühlen (Seegang!) und Sport machen (jawohl! Fitneß-Studio an Bord!); und damit war dann auch das Rahmenprogramm für die anderen Tage gesetzt, da konnten wir dann den Part „schlecht fühlen“ einfach durch „Landgang“ ersetzen und ansonsten alles andere beibehalten. (Ich habe zwar, im Gegensatz zu meiner Kreuzfahrtbegleitung, nicht jeden Tag Sport gemacht, aber wenigstens jeden Tag gegessen. *grins*) Ach so, ab Tag drei gab es einen zusätzlichen Programmpunkt: Kino! Es liefen zwar fast nur Filme, die man sich sonst freiwillig nicht angeguckt hätte, aber 1. hat es nicht extra gekostet, und 2. hatten wir ja Zeit... ;-)

Am Sonntag konnte man beim Frühstück dann schon mal einen Blick auf Ketchikan werfen, wo wir ziemlich früh morgens angekommen waren: kleine bunte Häuschen, die an einem Berg kleben! Und da uns die an Bord angebotenen Ausflüge alle zu teuer waren (und nicht nur die in Ketchikan, sondern ganz allgemein), sind wir einfach mal von Bord gegangen und haben auf eigenen Füßen die Stadt erkundet. Es gab viele bunte Holzhäuschen, einen winzigen Park, lustige Vorgärten, und natürlich den unvermeidlichen Totem-Pfahl; und im Liquor-Store den nicht unbedingt freundlichen Hinweis, dass Alkohol trinken in der Öffentlichkeit verboten sei und das Erwischt-Werden mit einer offenen Flasche Bier 500$ Strafe koste... Nee, ist klar... Wer will denn heimlich in der Öffentlichkeit Bier trinken... Wir doch nicht... ;-)

Ketchikan, vom Schiff aus gesehen

Downtown



... das ist doch kein Bier....! ;-)

Am nächsten Tag stand dann „Icy Strait Point“ auf dem Programm: muss man nicht kennen, ist eigentlich auch gar keine Stadt, sondern nur eine Anlegestelle extra für Kreuzfahrtschiffe – vor einigen Jahren erst gegründet, um Touristen angeblich die unglaublich bemerkenswerte Kultur und Geschichte der hiesigen nativen Bewohner näher zu bringen... Naja, ein paar Info-Tafeln zu Fischerei und Verarbeitung des Fisches gab es dann schon, aber hauptsächlich sollte man wohl kitschige Andenken kaufen und möglichst auch im benachbarten Dorf Hoonah den einen oder anderen Dollar in der Kneipe ausgeben. Haben wir natürlich nicht gemacht, sondern an den Fußweg in das Dorf hinein gleich mal einen Fußweg aus dem Dorf heraus angeschlossen... Aber Wale haben wir gesehen (noch vom Schiff aus), und auch irgendwelche nicht näher genannten anderen Meeres-Bewohner (vom Strand aus)! Könnten Seelöwen gewesen sein, aber wer weiß das schon so genau. ;-) Aber interessant war das ganze schon, zumal man im Hafen nicht anlegen konnte, sondern mit den kleinen Rettungsboot-Nussschalen an Land gebracht wurde!

Icy Strait Point, vom Schiff aus gesehen




hier mal ein Größenvergleich Wal - Boot....



… Fortsetzung folgt....

Donnerstag, 10. Mai 2012

Vancouver Island zum Ersten...

Zurück in Vancouver! Und wieder im gleichen Hostel - irgendwann benennen die noch nen Küchenstuhl nach mir.... *grins*

Naja, ist halt irgendwie praktisch, wenn man schon weiß, wo man hin muss und was einen erwartet. Und abgesehen davon, dass es sauber und zentral gelegen ist, gibt es sogar auch noch ein kostenloses Frühstück. So langsam spart man ja, wo man kann.... ;-)

Tofino hat sich letztendlich von seiner schlechtesten Seite gezeigt: windig, kalt, und regnerisch. Hm, was macht man also in einer Stadt, in der es eigentlich nichts gibt, um sich bei schlechtem Wetter die Zeit zu vertreiben? Genau, Outdoor-Sachen, so wie alle anderen auch. Da aber Surfen irgendwie nicht meins ist (obwohl ich das, zugegebenermaßen, nie ausprobiert habe), gab es statt dessen zwei mal Regen-Hiking, eine bedeckt-aber-ganz-schön-windig Fahrradtour, und einmal zwischen-zwei-Regenschauern-den-Arsch-abfrieren Kayaking. Das Kayaking hat mir dann trotz des Wetters so gut gefallen, dass ich das mit Sicherheit irgendwann noch mal machen werde! :-) Das ist doch schon mal was. Ansonsten: vier Straßen, ein Supermarkt, eine Tankstelle, eine Bushaltestelle - und ne ganze Menge bekiffter, Rasta-bezopfte Surfer, so richtig Klischee halt! Aber ich hatte Glück mit meinen Mitbewohnern: die ersten zwei Nächte war eine ehemalige Lehrerin mit mir im Zimmer, mit der ich ein paar echt interessante Gespräche führen konnte (und nicht nur übers Wetter - Politik, Religion, Philosophie, was auch immer uns gerade in den Sinn kam), und danach kamen zwei Holländerinnen und eine Schweizerin, auch alle sehr nett - und lustigerweise sind wir am Freitag alle gleichzeitig um halb sieben aufgestanden, um den selben Bus zu erwischen. Zimmer K vollständig angetreten zum Frühstücken! *kicher*

Am Freitag dann in Victoria angekommen, hat doch tatsächlich auch der Regen aufgehört - und die Sonne schien erfreulicherweise fast die ganze Zeit, die ich in der Stadt verbracht habe. Den einen bedeckten Vormittag konnte ich dann gut nutzen, um ins Museum zu gehen und mich von meinem erstaunlich ausgeprägten Sonnenbrand zu erholen... ;-)

Zu Victoria selber an dieser Stelle noch nicht so viel, da ich 1. meine Photos noch nicht sortiert habe (das mache ich wohl auf dem KREUZFAHRTSCHIFF! ich kann immer noch kaum glauben, dass ich übermorgen zu meiner ersten Kreuzfahrt aufbreche....), und mir 2. Victoria so gut gefallen hat, dass ich im Juni noch mal hinfahren werde. Dieses Mal dann allerdings als Volunteer: kaum zu glauben, aber es gibt hier tatsächlich eine offensichtlich vertrauenswürdige Organisation, die freiwillige Helfer an Farmen und andere Privatleute vermittelt - freie Kost und Logis gegen ein paar Stunden Hilfe bei Gartenarbeit, Renovierungsarbeiten oder Haushalt an fünf Tagen pro Woche. Das wollte ich doch glatt mal ausprobieren, und erfreulicherweise habe ich auch ein älteres Ehepaar gefunden, das meine eher unspezifischen Helfer-Fähigkeiten gegen ein kostenloses Bett und ein Badezimmer eintauscht. Und Frühstück gibt´s auch. ;-)

Aber soviel kann man auch ohne Bilder schon mal sagen: Victoria sieht ein wenig so aus wie London, nur in winzig (also geeignet für einen Fußgänger wie mich) und mit besserem Wetter (siehe: Sonnenbrand...), und die Leute hier sind soooo viel entspannter... Außerdem ist das Wasser sauberer! Und Kayaken kann man hier auch. *freu*

Mittwoch, 2. Mai 2012

Regen.Wald.Insel!

Da wäre ich also nun auf Vancouver Island - noch weiter westlich, und ich wäre in Japan.... :-) Nach einer Woche in Nanaimo ging es am Montag mal wieder mit dem Bus weiter nach Tofino, und am Freitag fahre ich noch nach Victoria (ist ja schließlich die Hauptstadt von British Columbia! nein, nicht Vancouver...); aber ich werde rechtzeitig zurück in Vancouver sein, um am 11.Mai mein allererstes Kreuzfahrtschiff zu besteigen!

Vancouver Island hat vor allem drei Dinge: eine ganze Menge Touristen (wie wird das erst im Sommer???), ziemlich viel Wald, und - verdammt viel Regen.... Naja, British Columbia ist bekannt für seinen "gemäßigten Regenwald" - und mit gemäßigt ist lediglich die Klimazone gemeint.... Man könnte auch sagen: vergleicht man den Regenwald hier mit dem tropischen Regenwald, den ich z.B. in Australien bewundern durfte, dann kann man zwei elementare Unterschiede feststellen - es ist nicht so warm, dafür aber viel nasser... Aber ich will nicht ungerecht sein, ich hatte, glaube ich, letzte Woche einen ganzen Tag ohne Regen! ;-)

Nanaimo selber ist wohl hauptsächlich berühmt für den gleichnamigen, ziemlich Zucker- und Fett-haltigen Snack, der angeblich hier von englischen Immigranten erfunden worden sein soll, um bei der anstrengenden Arbeit (Mine? Fischerei? Irgendwie sowas.) nicht vom Fleisch zu fallen. Könnte geklappt haben, einer dieser Nanaimo Bars hat wohl im Durchschnitt mehr Kalorien als ein handelsübliches Mittagessen. So wie eigentlich alles halbwegs essbare hier... Verdammt, da musste ich doch glatt wieder anfangen, regelmäßig Laufen zu gehen; dreimal Laufen habe ich dieses Jahr sogar auch schon geschafft.... *grins*

Andererseits war in Nanaimo sonst auch nicht viel los, die Stadt lebt halt weniger vom Tourismus als vielmehr vom Hafen. Viele Fähren gibt es hier (nach Vancouver, aber auch zu einem halben Dutzend anderer Häfen auf Vancouver Island), und Fischerei spielt tatsächlich noch eine entscheidende Rolle; die meisten Leute, die mit einer der Fähren ankommen, reisen einfach weiter und bleiben für gewöhnlich nicht in Nanaimo. Hm, ich mache ja wohl immer alles anders als alle anderen.... In der Stadt selber hätte ich nicht viel verpasst, auch wenn das Hostel mit Abstand das beste war, in dem ich bis jetzt untergekommen bin; aber die Umgebung ist beeindruckend. Viel Wald, viele Wasser (nicht nur von oben - es gibt auch Flüsse und Seen und natürlich den Ozean), viele Tiere, die man platt tritt, wenn man nicht aufpasst, weil sie nicht aus dem Weg gehen (Möwen, Spatzen, Krähen, Kaninchen....), und echt schöne Naturparks. Leider kommt man ohne Auto hier nicht weit, also gab es wieder mal einen Leihwagen - diesmal wars ein VW Jetta, der ist total beliebt hier. So konnte ich mir unter anderem Cathedral Grove angucken (bis zu 800 Jahre alte Bäume!) und den Englishman River Falls Provincial Park, der so heißt, weil in dem Fluss wohl mal ein Engländer ertrunken sein soll bei dem Versuch, ihn zu überqueren.... Und ein dritter echt cooler Park lässt sich in wenigen Minuten per Fähre direkt von Nanaimo Downtown aus erreichen: der Newcastle Island Provincial Park ist nur einen gefühlten Steinwurf von der Stadt entfernt und liegt mitten im Hafen. Schon schräg, das alles.... :-)


Nanaimo, von Newcastle Island aus gesehen

...das Spielzeugboot, das mich zur Insel gebracht hat und hier - ganz unbescheiden - Fähre genannt wird...

Zu Tofino kann ich übrigens auch nach dem einen Tag, den ich erst hier bin, schon folgendes sagen: stimmt, alles voller Freaks hier - sollte mich aber nicht überraschen, bin ja vorgewarnt worden! ;-)


Aussicht vom Aufenthaltsraum im Hostel! :-)



Mittwoch, 25. April 2012

und endlich: Vancouver!

Nanu, schon wieder ein neuer Post....? Tja, Regen macht´s möglich....

Das Wetter an sich ist ja eigentlich schon einen eigenen Beitrag wert, soll es doch in Vancouver angeblich immer nur regnen. Haben mir zumindest diverse Leute - unabhängig voneinander - als quasi unverrückbare Tatsache mitgeteilt, als ich meine Pläne offenbarte, einen nicht unbeträchtlichen Teil meiner noch verbleibenden Zeit in Kanada in Vancouver zu verbringen. Einen Tag hat es dann auch tatsächlich geregnet, und die restliche Zeit hatte ich bisher - Sonne.... :-) Und der Tag heute zählt eh nicht, schließlich bin ich im Moment gar nicht in Vancouver, sondern in Nanaimo, auf Vancouver Island. Aber das ist eine andere Geschichte! ;-)

Aber, wie gesagt, jetzt ist erst mal Vancouver an der Reihe. Eine Stadt, in der man es eine Weile aushalten kann! Auf der einen Seite Berge, auf der anderen Seite der Pazifik, und nicht zu vergessen natürlich der Stanley Park, quasi mitten in Downtown Vancouver: das gibt ein richtig schön kitschiges Postkarten-Panorama... Allerdings gehört Downtown Vancouver auch zu den am dichtesten besiedelten Gegenden in ganz Nordamerika, so dass man sich das alles mit unglaublich vielen anderen Menschen teilen muss. Naja, wenigstens hat das den Vorteil, dass es ne Menge zu sehen und kaufen bin; und auch die breit gesteckte Auswahl kulinarischer Angebote ist dementsprechend beträchtlich. Ist gar kein Problem, sich einmal um die halbe Welt zu essen, wenn auch mit deutlichem Schwerpunkt auf asiatischer Kost... *grins*

A propos Essen: nachdem ich ja nun schon eine Weile hier bin und auch schon die eine oder andere Gelegenheit genutzt habe, die ganzen kleinen (und auch die nicht so kleinen) süßen Schweinereien auszuprobieren, die es hier in allen Formen und Farben gibt (schön leuchtend, meistens!), gab es vor knapp zwei Wochen dann auch tatsächlich die Möglichkeit, eine der hier handelsüblichen Geburtstagstorten zu testen (Überraschung!). Gut sah sie schon mal aus, mit dem ganzen weißen Zuckerguß und dem Zucker-Konfetti oben drauf, nicht zu vergessen die zart-violett eingefärbte Sahne (?) am Rand... Nach einem Stück hatte man dann einen grandiosen Zucker-Schock, aber der Versuch war es definitiv wert! Und nach unserem improvisierten Oster-Frühstück mit ganz viel Schokolade, aber leider ohne Osterhasen waren wir ja auch Kummer gewohnt. :-)

die Zahlen auf der Torte haben nichts zu bedeuten.... ;-)

Danach wollten wir eigentlich auf Granville Island eine Brauerei-Besichtigung mit anschließender Verkostung machen, aber leider fanden gerade aufgrund von Renovierungsarbeiten keine Führungen statt - egal, dann sind wir halt gleich zum Bier übergegangen. Leider durften sie in der Brauerei keinem Gast mehr als drei dieser kleinen Gläser servieren... Doof... ;-)



Selbstverständlich haben wir aber nicht nur Bier getrunken (nee - auch Jägermeister *g*), sondern auch noch ein wenig Tourist gespielt; neben der obligatorischen Stadtrundfahrt mit dem Bus - der Fahrer hat tatsächlich die ganze Zeit selber was erzählt, anstatt nur ein Tonband laufen zu lassen! - gab es lange Wege durch den Stanley Park (extrem großartig), durch Gastown (großartig), über Granville Island (auch sehr großartig) und durch Chinatown (nicht großartig).

Im Stanley Park stehen auch tatsächlich die Totems, die auf fast jeder Postkarte zu sehen sind; und es lohnt sich auf jeden Fall, den Park einmal auf dem Seawall zu umrunden (auch wenn das fast 10km sind) und einen Abstecher in den Wald zu machen, aus dem der Park zu einem überwiegenden Teil besteht. Neben vielen ziemlich alten Bäumen sieht man auch das ein oder andere Tier: beim Joggen durch den Park dachte ich z.B. zuerst: "wer lässt denn seinen Hund hier ohne Leine laufen, das ist doch gar nicht erlaubt!", bis ich dann nahe genug war um zu sehen, dass der Hund eigentlich ein Waschbär war... *grins*

Totems in Stanley Park
.... und ein Inukshuk
Und wo wir schon mal bei nicht erlaubt sind: auch in Kanada, dem Land der Freigeister, sind manche Sachen nicht erlaubt - zum Beispiel Alkohol trinken in der Öffentlichkeit, oder auch Joints rauchen (das ist eigentlich auch nicht-öffentlich nicht erlaubt). Stört hier zwar eher keinen, aber da sich der Kanadier als solcher gerne öffentlich engagiert, kann man ja auch mal mitten in Vancouver Downtown eine Strasse sperren und mithilfe von Live-Musik und erheblichen Mengen offiziell nicht-legaler Rauch- und Backwaren für die Legalisierung eben dieser protestieren! Nach einer guten Stunde zwischen all diesen Menschen (und all dem Qualm) fühlte ich mich irgendwie ein wenig schwummrig und musste ganz dringend was essen... :-)

....!

Nach der ganzen Protest-Kultur habe ich mir dann auch noch ein wenig richtige Kultur gegönnt: ein kleiner Abstecher ins Queen Elizabeth Theatre, um mir endlich mal Cats anzugucken - so nach 30 Jahren, die das gute Stück jetzt schon mehr oder weniger ununterbrochen läuft, wird es ja auch mal langsam Zeit. Und weil Ausgehen so nett war und ich erfreulicherweise ein Plakat mit der gut klingenden Ankündigung "Goth Prom" gesehen habe, konnte ich gleich auch noch die hiesige Szene ergründen. Fazit: (fast) alles anders hier, die Outfits waren... naja..., und die Musikmischung mit "gewöhnungsbedürftig" zu beschreiben ist noch geschmeichelt. Vielleicht sollte denen mal jemand zeigen, wie man das richtig macht...

Auch der obligatorische Whale-Watching Trip durfte natürlich nicht fehlen; und weil uns die Gesellschaft eine Wal-Sichtungs-Garantie gegeben hat, ist unser Trip ein wenig länger geraten als üblich (5,5h und ca.180 Seemeilen - die Wale waren leider gerade nicht um die Ecke....). Aber wir haben Orcas gesehen!!! Und Seelöwen und Seehunde und Adler und Möwen und andere Whale-Watcher....




Dienstag, 24. April 2012

ein kurzer Abstecher über die Grenze!

Bevor ich mich an dieser Stelle ausführlich über all die netten Dinge auslasse, die ich in Vancouver bis jetzt gesehen und erlebt habe - und, soviel vorweg, Vancouver ist eine phantastische Stadt; schön gelegen, großartiges Panorama, nette Leute, sehr sauber, und irgendwie "anders", aber dazu später - , erst mal einen chronologisch unpassenden Einschub über meinen doch eher kurzen Ausflug über die Grenze, sprich: in den südlichen Nachbarn Kanadas, die USA....

Eigentlich hatte ich gar nicht geplant, auf dem Landweg grenzüberschreitend tätig zu werden, aber da mich ein Blick auf die Karte darüber aufgeklärt hat, dass die USA quasi direkt hinter Vancouver anfangen und Seattle tatsächlich nur drei Stunden entfernt ist, dachte ich: gute Idee, mache ich doch mal für ein paar Tage rüber. Einreiseformalitäten sind ja schon geklärt, dachte ich; Wieder-Einreise-Visum für Kanada habe ich, und das merkwürdige Internet-Formular für die Einreise in die USA hatte ich auch schon ausgefüllt, weil ich Mitte Mai eine Kreuzfahrt nach Alaska machen werde (jawohl, eine richtige Kreuzfahrt, und schon wieder über die Grenze...!), und aufgrund eines freundlichen Gastes im Eden hatte ich sogar schon 10 amerikanische Dollar im Portemonnaie. Also alles super! Dachte ich.

Schon der Anfang meines Ausflugs war dann suboptimal: Der letzte Bus verlässt Vancouver abends um sieben und ist laut Fahrplan gegen elf in Seattle. Da dieser Bus der am wenigstens frequentierte sein soll und dementsprechend die Tickets zu einem Diskount-Preis von 15$ verkauft werden, habe ich natürlich mit Blick auf mein Budget diese Variante gewählt; leider war der Bus dann ziemlich voll, ist mit 15 Minuten Verspätung erst losgefahren, und hatte außerdem eine Chinesin ohne Visum für die USA an Bord - dummerweise weiß man so was ja nicht vorher.... An der Grenze fing dann der Spaß erst richtig an: alle raus aus dem Bus, sämtliches Gepäck geschnappt, und auf zur Grenzkontrolle; zwei, drei blöde Fragen beantworten, wieder rein in den Bus, und weiter. Dachte ich. Leider hat dann besagte Chinesin einen der beiden anwesenden Grenzbeamten reichlich lange in Beschlag genommen, da sie ja irgendwie kein Visum vorweisen konnte, und die Uhrzeit auch eher ungünstig war, um ein Statement ihres zuständigen Konsulates zu erhalten. (Nur gut, dass sie eine der ersten am Schalter war, nicht auszudenken, wie lange wir sonst hätten warten müssen!) Blieb also noch ein Grenzbeamter für die anderen 40 Fahrgäste; die ungewöhnlich lange Warteschlange hat ihn dann aber in keiner Weise davon abgehalten, seine Arbeit sehr gründlich zu machen... Lasst euch gesagt sein: mit zwei, drei Fragen ist es keinesfalls getan. Wo wollen Sie hin, was machen Sie da, wie lange wollen Sie bleiben, wo wollen Sie danach hin... Die Liste der Fragen war fast endlos. Ein neues Einreiseformular musste ich auch ausfüllen (auf meine Frage hin, ob das nicht das selbe sei wie das im Internet - die Fragen waren identisch - , kam als Antwort nur: "a different purpose". Aha.), und natürlich hat auch das wieder Geld gekostet. So viel zu meinen 10$. Ach ja, und ein nettes Photo und Fingerabdrücke machen sie natürlich auch noch, aber wenigstens wollten sie dafür keine Gebühren haben...

Unnötig zu erwähnen, dass wir viel zu spät in Seattle angekommen sind. Der Bus, der mich von der Greyhound-Station zum Hostel hätte bringen sollen, fuhr - natürlich! - nicht mehr, und da ich keine Lust hatte, irgendjemanden von den eher suspekt wirkenden Anwesenden über den hiesigen Busfahrplan auszufragen, bin ich also mit meinem Gepäck zu Fuß gefühlt quer durch die Stadt marschiert. Wenigstens kann man sich in nordamerikanischen Städten so gut wie nicht verlaufen, das quadratische Raster mit Nummerierung der Straßen hat doch was für sich.... Auf jeden Fall war ich also kurz vor eins dann endlich im Hostel, und weil ich von der ganzen Schlepperei so fertig war, habe ich dann aus meiner einen gebuchten Übernachtung gleich mal zwei gemacht, damit ich den nächsten Tag nicht gleich wieder in Hektik ausbrechen muss, um meine weiteren Schritte zu planen.

Das Hostel war, abgesehen von der Lage, ziemlich gut: die Duschen waren sogar mitten in der Nacht sehr sauber (auch wenn man nach ein paar Minuten anfangen musste, hektisch mit den Armen zu wedeln, weil die Lichter mit Bewegungsmeldern gekoppelt sind...), die Küche war groß und hervorragend ausgestattet, und in meinem Vier-Bett-Zimmer war ich alleine. Allerdings war es fürchterlich warm im Zimmer, weil sich das Fenster nicht richtig öffnen ließ, und zum Schlafen brauchte ich Ohrstöpsel, weil die Lüftungsanlage direkt vorm Fenster war.... In der zweiten Nacht hatte ich dann eine Chinesin mit im Zimmer, die ich allerdings die meiste Zeit kaum verstanden habe, obwohl sie vermutlich Englisch gesprochen hat; wenigstens haben wir es zu zweit geschafft, das verklemmte Fenster erst zu öffnen und nach fünf Minuten wieder zu schließen, weil die Lüftungsanlage offensichtlich nicht nur für das Hostel gedacht war, sondern offensichtlich auch für das Restaurant nebenan, den fiesen Gerüchen nach zu urteilen. Ach so, habe ich erwähnt, dass das Hostel im "International District" von Seattle liegt? Ist ne freundliche Art, auf politisch korrekte Weise "Chinatown" zu beschreiben.... ;-)

Letztendlich habe ich dann gar nicht so viel von Seattle gesehen, ist die Stadt doch erstaunlich groß. Immerhin konnte ich die wichtigsten Touri-Dinge an einem Tag abhaken: Space Needle, Seattle Centre (das Gelände der Weltausstellung 1962), Waterfront, Pike Street Market und natürlich den allerersten Starbucks. (Naja, vielleicht wars auch nicht der allererste, aber auf jeden Fall muss der allererste dann ganz in der Nähe gewesen sein....) Ach ja, nicht zu vergessen die mir von Einheimischen empfohlene Attraktion: die Gum Wall!

Space Needle

Seattle Centre

Pike Street Market

Gum Wall

Für den folgenden Tag hatte ich dann eigentlich geplant, mir ein Leihwagen zu besorgen und damit nach Portland weiterzufahren, da zwei Tage zu bleiben, und dann am Freitag erst zurück nach Seattle zu fahren und von da aus weiter mit dem Bus zurück nach Vancouver (wobei das schon nicht der Originalplan war, der hatte nämlich vorgesehen, den ganzen Trip von Vancouver aus mit dem Auto zu machen - aber da kamen dann seltsame Bestimmungen der Autovermietung dazwischen, die sich deutlich finanziell ausgewirkt hätten....). Aber da Pläne ja nun mal dazu da sind, geändert zu werden, habe ich dann spontan in der Autovermietung beschlossen, dass ich das jetzt alles irgendwie richtig doof finde und sofort nach Canada zurück will. An dieser Stelle ein Hoch auf den freundlichen Mitarbeiter bei Budget, der sich ob meines irrationalen Meinungs-Umschwungs doch tatsächlich ernsthaft Sorgen gemacht hat! Naja, ein Kaffee bei Starbucks und zwei Stunden kostenloses Wifi später hatte ich dann ein neues Greyhound-Ticket gebucht und eine von den beiden Nächten im Hostel in Portland storniert... Um vier sass ich dann endlich wieder im Bus, fühlte sich an wie nach Hause fahren.... *grins*

Leider musste ich die Nacht dann in Vancouver in einem anderen Hostel übernachten als bisher (weil ich so kurzfristig in "meinem" Hostel kein Bett mehr reservieren konnte und ich nicht auf gut Glück so weit latschen wollte mit dem ganzen Gepäck und meiner sub-optimalen Laune), aber was nimmt man nicht alles in Kauf um sich auch on the road wohl zu fühlen - und so schlecht war es dann da auch nicht, immerhin war es sauber und Frühstück gabs bis 10.... ;-)

Donnerstag, 19. April 2012

Eine Zugfahrt, die ist lustig...

Ok, ich gestehe, ich bin auch nach Kanada gekommen, um Winter zu haben - und Winter hatte ich reichlich, da kann ich mich echt nicht beschweren. Aber irgendwann ist dann halt doch irgendwann der Punkt gekommen, wo Schluss sein muss mit Schnee und Eis und Kälte! Gut nur, dass uns der Zug in Vancouver, BC, direkt in den Frühling entlassen hat. Ich glaube, ich bin noch nie so froh gewesen, Gras und Blumen und blühende Kirschbäume zu sehen! War ein echtes optisches und olfaktorisches Highlight. :-)

Blick aus dem Hostel

Aber ich will hier nicht das Ende unserer Zugfahrt vorwegnehmen, war doch die ganze Reise mit dem Canadian (die kanadische Zuggesellschaft ViaRail hat so wenige Züge, die können sich für jeden einzelnen einen schicken Namen leisten....) von Edmonton nach Vancouver ein echtes Highlight. Leider fing das Ganze für meinen Geschmack viel zu früh morgens an; Abfahrt war um 07:35h, eine Stunde vorher da sein zum Gepäck einchecken, dann ist der Bahnhof auch noch unglaublich weit außerhalb (hinter! dem Flughafen), heisst - alles zusammengenommen - Taxi um sechs.... Bäh....

Der Bahnhof in Edmonton ist unglaublich winzig: ein einziger Ticketschalter mit einem netten, älteren Herren (der die Hektik eher nicht erfunden hat), und dazu ein mobiler Gepäckschalter mit einer ebenfalls sehr netten Frau, die uns nach dem Wiegen unseres Gepäcks Gelegenheit gegeben hat, noch mal umzupacken, um Übergepäck-Gebühren zu vermeiden - zwar darf jeder Fahrgast bis zu drei (!!!) Gepäckstücke aufgeben, aber leider nur bis zu einem Maximalgewicht von 50 Pfund. Und nein, das sind keine 25kg, sondern nur 22,7kg (ein Hoch auf das Durcheinander an Mass- ,Längen- und sonstigen Einheiten in Kanada)... Egal, auch Schalterbeamte (?) warten hier gerne auf ihre Kunden, wenn sinnloses Umpacken angesagt ist. War auch nicht so schlimm, die Warteschlange hinter uns war nicht so lang.  - Ach so, sie war nicht existent... Kanadier, die tatsächlich schon mal Zug gefahren sind, sind absolute Exoten. *grins* (Könnte am Fahrplan liegen, oder an den Routen, oder auch am Fahrpreis, niemand weiß es so genau - die fahren hier lieber Bus...)

Obwohl der Zug schon eine halbe Stunde Verspätung hatte, als er endlich in Edmonton eingetroffen ist, hat sich 1. keiner beschwert, und ist 2. auch keiner in Hektik ausgebrochen, um Gepäck zu ent- und beladen, so dass wir dann mit fast einer Stunde Verspätung endlich losgefahren sind. Plätze im Zug sind zwar nicht reserviert, aber jeder Gast bekommt einen Platz zugewiesen (offensichtlich nach Gutdünken und Sympathie des Schaffners), und bei der Gelegenheit werden nicht nur die Tickets kontrolliert, sondern auch gleich noch ein wenig Smalltalk gehalten, das Personal will ja schließlich wissen, mit wem sie die nächsten Stunden oder Tage zusammen unterwegs sein werden. Wieder mal von Hektik keine Spur! Alles sehr entspannend, eher nicht so wie Bahnfahren in Deutschland....

Die Bahnfahrt selber war dann auch entsprechend langsam; der Zug erreicht angeblich Spitzengeschwindigkeiten von 120km (hi hi hi), aber das wohl nur nachts. Tagsüber kriecht man im Spazier-Tempo durch die Landschaft, jeder Güterzug (von denen es eine Menge gibt, und ziemlich lange noch dazu) hat Vorrang - d.h. nicht nur, man muss sie vorbei lassen, sondern auch, dass man an erstaunlich vielen einspurigen Abschnitten wartet, wenn einem einer entgegen kommt - , und es wird auch schon mal für eine gute Photo-Möglichkeit seeeeehr langsam gefahren oder gleich ganz angehalten. Erstaunlicherweise sind wir trotzdem fast eine Stunde zu früh in Vancouver angekommen, morgens um halb neun - ein ganzer Tag im Zug! Erfreulicherweise erklärt einem zwischendurch der nette Schaffner die Gegend und das Leben, die Aussicht vom Observationsdeck ist aussergewöhnlich,  und das Dinner im Zugrestaurant war preislich ok und erstaunlich gut. Und weil wir mit in der letzten Gruppe waren, die erst um neun zum Abendessen gegangen sind, gab es den Schoko-Kuchen zum Dessert umsonst, der musste halt weg... :-)


da wurde der Zug seeeehr langsam, damit wir auch ja alle ein  schönes Photo machen können... ;-)

endlich in Vancouver!